Schule
Vor einigen Jahren, vor allem seit den “PISA-Studien”, ist viel Hektik entstanden. Ständig wird wieder eine neue Reform hervorgebracht und umgesetzt – so gut das an den Schulen möglich ist. Praktisch nie wird gefragt, wie sich eigentlich Schülerinnen und Schüler die Schule vorstellen und in was für eine Schule sie gerne gehen würden. Dabei ist die Schule doch für sie gedacht – nur eben von Erwachsenen. Wer weiß denn heute noch, dass das Wort “Schule” so viel bedeutet wie: “freie Zeit”, “Müßiggang”, “Nichtstun”? Das Wort und dessen Bedeutung zeigt, was uns allen heute am meisten fehlt: Zeit. Kaum jemandem wird die Zeit gelassen, sich in aller Ruhe den eigenen Interessen und Bedürfnissen nach zu entwickeln. Genau an diesem Aspekt setzen unsere Forderungen und Überlegungen zu einer anderen Schule an.
Wir wollen selbst entscheiden, was, wann, wo und wie wir lernen
Die jetzige Schule ist eine “Einheitsschule”, in der alle dazu gezwungen sind, zur gleichen Zeit das gleiche zu lernen, um es am gleichen Tag wieder „auszuspucken“ – dabei wird keine Rücksicht auf die individuelle Situation, die Person und deren Interessen genommen. Wir wollen selbst bestimmen, welche Inhalte wir wie, wann und wo lernen.
Kein Aussortieren an Schulen
Die Selektion (durch Noten, Sitzenbleiben, Verteilung auf verschiedene Schulen etc.) verhindert echtes Lernen. Schülerinnen und Schüler lernen weder für sich selbst, noch für ihre Zukunft, noch für ihre eigenen Interessen, sondern ausschließlich für die Noten, die Versetzung, die “höhere” Schulform. Es wird bis zu einem bestimmten Datum (Klassenarbeit) gelernt und die Inhalte danach oft vergessen. All das geschieht aus der Furcht heraus, dass der Schulabschluss, den man hat, nicht reichen könnte, für das, was man machen möchte.
Ohne Leistungsdruck und ohne Bewertung
Leistungsdruck macht Stress und verhindert die Freude am Lernen. Wieso haben so viele Kinder und Jugendliche bereits nach wenigen Schuljahren keine Lust mehr dazu, etwas zu lernen? Weil sie unter Zwang, Strafandrohungen, Bestrafungen (Nachsitzen usw.) lernen müssen. Lernen wird so zu einem negativen Erlebnis und nicht zu einer positiven Erfahrung. Schülerinnen und Schüler, die während und nach der Schule noch gerne lernen, tun das vermutlich nicht wegen, sondern trotz der Schule.
Noten sagen nichts über die Intelligenz oder die Begabung eines Menschen aus. Sie sind vielmehr ein subjektives Urteil der Lehrerin/des Lehrers, orientiert an ganz bestimmten Kriterien (die von außen vorgegeben werden). Noch viel weniger geeignet sind sie als „Prognose“ darüber, ob und wie jemand in Zukunft zu lernen fähig ist (z.B. auf der Real- oder Hauptschule oder auf dem Gymnasium). Viele Stärken und Begabungen sind in Noten gar nicht auszudrücken und zu erfassen. Stattdessen verinnerlichen viele, dass sie angeblich wegen schlechter Noten „unfähig“ sind und können verständlicherweise kein Interesse mehr an bestimmten Fächern oder Inhalten aufbringen. Die Schule hält in solchen Fällen sogar vom Lernen ab.
Fehler dürfen nicht als Schwäche oder als etwas Schlechtes angesehen werden. Durch Fehler kann jeder Mensch lernen. In der Schule werden Fehler aber zu etwas negativen, ja bedrohlichem, dass die Versetzung gefährdet oder die erfolgreiche Bewerbung (für eine andere Schule, Ausbildung, Studium..). Viel zu oft geht es leider darum, was jemand schlecht gemacht hat und nicht, was gut gemacht wurde. Dadurch versuchen viele Fehler zu vermeiden. Lernen kann ohne Fehler aber kaum stattfinden.
Kein G8 und keine (verpflichtenden!) Ganztagsschulen
Bildung braucht Zeit. Die Schule um ein Jahr zu verkürzen bedeutet auch ein Jahr weniger, in dem man sich darüber klar werden kann, wohin man will und was man tun will. Es bedeutet ein Jahr weniger, aber mit noch mehr Stoff und noch mehr Stress.
Ganztagsschulen sind eine Erweiterung des Schulzwangs („Schulpflicht“). Wer nicht gerne zur Schule geht, muss nun auch noch den ganzen Tag ungern zur Schule gehen. Hobbys und individuellen Interessen kann dabei immer weniger nachgegangen werden. Ganztagsschulen dürfen höchstens ein Angebot sein, für die, die länger in der Schule bleiben wollen. Sie dürfen nicht zu einem weiteren Zwang verkommen, sich auch noch nachmittags in der Schule aufhalten zu müssen.
In kleineren Klassen
Je mehr Menschen sich in einem Klassenzimmer aufhalten, desto schwieriger wird es, auf jede einzelne Person einzugehen und desto lauter wird es auch. Daher müssen die Klassen kleiner sein.
Gemeinsam, kostenlos und für alle
Die Verteilung und Aussortierung von Kindern und Jugendlichen auf drei oder auch mehr Schularten ist durch die soziale Herkunft bestimmt und nicht durch Begabung. Der Übertritt von Grundschulen auf weiterführende Schulen übt Druck auf die jüngsten in den Grundschulen aus, führt zu Konkurrenzkampf und zu vorbestimmten Lebensläufen.
Wir wollen Bildung, keine Ausbildung!
Bildung bedeutet nicht, nach den Kriterien von Erwachsenen und den Wünschen von Unternehmen bestimmte Inhalte zu lernen. Es bedeutet nicht, dass zu lernen, was einem auch noch unter Zeitdruck vorgegeben wird und von dem Erwachsene glauben, dass es sinnvoll sei, dies zu bewerten. Ausbildung bedeutet genau das: Nach den Vorgaben und Kriterien anderer in einem bestimmten Zeitplan zu lernen.
Bildung allerdings bedeutet die Entfaltung eigener Fähigkeiten und Interessen. Sie meint nichts anderes, als die kritische Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt. Das findet in den meisten Schulen im Moment fast gar nicht statt. Es geht die meiste Zeit nur um Noten, Auswendiglernen und Hausaufgaben machen und so unangenehme Sachen wie Strafarbeiten oder auch Sitzenbleiben zu vermeiden. Auch das mal mehr, mal weniger gute Miteinander der Schülerinnen und Schüler innerhalb der Klasse wird meistens ausgeblendet.